Die nächsten Jahre werden jedoch durch strukturelle Herausforderungen geprägt sein: Die ökonomischen Auswirkungen der Corona-Pandemie in Deutschland werden noch lange Zeit spürbar nachwirken. Gleichzeitig manifestieren sich die Herausforderungen des Klimawandels und erhöhen den politischen Handlungsbedarf. Damit die 2020er Jahre zum Modernisierungsjahrzehnt werden, die Energiewende neue Wachstumsimpulse erhält und der Wirtschaftsstandort Deutschland fit für die Zukunft wird, muss die ökologische Modernisierung unserer gesamten Energiewirtschaft deutlich beschleunigt werden.

Hierbei gilt es, an frühere Erfolge Deutschlands als Energiewendevorreiter anzuknüpfen und zu zeigen, dass Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu steigendem Wohlstand für Industrienationen führen.
Die stark wachsende Nachfrage nach Erneuerbaren Energien aus der Industrie, den Sektoren Mobilität und Wärme sowie als direkte Folge der Digitalisierung muss gedeckt werden. Die gegenwärtigen Rahmenbedingungen verhindern jedoch eine intelligente Kopplung der Sektoren, um die Energiewende als Ganzes voranzubringen. Die Rahmenbedingungen für das moderne Energiesystem der Zukunft auf den Weg zu bringen, wird daher eine zentrale Aufgabe der kommenden Legislaturperiode sein.

 


 

02 | Ausbau der Erneuerbaren Energien voranbringen

Klimaschutzziele mit konkreten Maßnahmen unterlegen

 

» Emissionsziele des Bundesklimaschutzgesetzes in konkrete Maß-nahmen zur Erhöhung des Anteils Erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch übersetzen

Auch unter Annahme ambitionierter Effizienzerfolge erfordert das Festschreiben einer THG-Minderungsquote von 65 Prozent bis zum Zieljahr 2030 einen erheblichen Anstieg der Nutzung Erneuerbarer Energien. Deren Anteil am Bruttoendenergieverbrauch muss auf mindestens 1084 TWh (44 %) steigen. Die Sektorenkopplung ist zur Erreichung dieses Ziels von zentraler Bedeutung, was eine umfassende Elektrifizierung des Wärme- und Verkehrssektors erfordert. Dies wiederum bedeutet einen Anstieg des Bruttostromverbrauchs in Deutschland auf 745 TWh bis 2030, der bei der Überarbeitung energiewirtschaftlicher Rahmenbedingungen berücksichtigt werden muss.

» Erhöhung der Ausbaupfade und Zielkorridore im Erneuerbare-Energien-Gesetz

Unter Berücksichtigung eines steigenden Bruttostrom-verbrauchs durch die Sektorenkopplung muss die installierte Leistung der einzelnen Technologien in Deutschland deutlich angehoben werden.
Insgesamt muss bis 2030 eine installierte Leistung Erneuerbarer Energien von 337 GW realisiert werden, Wind Onshore (95 GW) und Photovoltaik (205 GW) bieten die größten Steigerungspotenziale. Die für alle Technologien jährlich zu installierende Leistung ergibt sich aus dem BEE Szenario 2030.

 


 

03 | Stommarkt auf Erneuerbare Energien auslegen

Marktdesign überarbeiten und Flexibilitäten erhöhen

 

» Systemdienstleistungen für Erneuerbare Energien vorantreiben

Märkte für Systemdienstleistungen, die für mehr Netzstabilität sorgen, für Erneuerbare Energien konsequent öffnen, weiterentwickeln und die Vorrangregelung für Erneuerbare Energien im Stromsektor auf die Systemdienstleistung ausdehnen.

» Anreize für Lastverschiebungen bei Haushaltsverbrauchern und der Industrie richtig setzen

Verbraucherseitiges Flexibilisierungspotenzial kann, zum Beispiel durch eine weitere Dynamisierung der Stromnebenkosten, genutzt werden.

» Speicher verstärkt in das System integrieren

Erhöhung der Kapazität von stationären und mobilen elektrischen Speichern und konsequente Einbindung von Sektorenspeichern in das Gesamtsystem.

» Einspeisevorrang für Erneuerbare Energien durchsetzen

Der gesetzliche Einspeisevorrang Erneuerbarer Energien gegenüber fossilen Kraftwerken muss folgerichtig auch in der energiewirtschaftlichen Praxis durchgesetzt werden.