Unter dem Motto „Windbranche im Wandel – Folgen für Personal und Qualifizierung“ diskutierten Wolfram Axthelm (BWE), Dominique Guillou (LEAG Renewables) und Stefanie Müller (Alterric) über die politischen Rahmenbedingungen der Windenergie, neue Strategien im Recruiting sowie Erfolgsfaktoren für eine Transformation von Jobs aus den fossilen hin zu den erneuerbaren Energien. Moderiert wurde das Forum zu Personal und Qualifizierung bei den 33. Windenergietagen von Christoph Schwarzer (Windparkmanager und Moderator).
Stabile Ausschreibungen sichern Jobs in der Windenergie
BWE-Geschäftsführer Wolfram Axthelm präsentierte das brandaktuelle PolicyBriefing zu den Beschlüssen des Koalitionsausschusses zur Kraftwerkstrategie. Er kam direkt aus dem Bundestag zum Forum und konnte Positives vermelden. Die Ausschreibungsvolumina für erneuerbare Energien bleiben stabil und die Pläne von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche zu Reservekraftwerken kommen nun so wie bereits von Robert Habeck angepeilt: 2026 sollen Ausschreibungen für Gaskraftwerke mit einer Kapazität von 8 GW „H2-ready“ erfolgen; außerdem zusätzliche 2 GW technologieoffen, wobei Großspeicher explizit angesprochen worden seien.
Wegweisende EEG-Novelle 2026 gemeinsam gestalten
Und auch über diese Beschlüsse hinaus skizzierte Wolfram Axthelm gute Rahmenbedingungen für mehr Beschäftigung in der Windenergie. Den Monitoringbericht sieht er als gute Basis, um mit der Bundesregierung in einen Dialog zu kommen und Systemfragen zu lösen. Von dem Beraterauftrag für die Weiterentwicklung des Investitionsrahmens für erneuerbare Energien solle sich die Branche nicht verrückt machen lassen: für die EEG-Novelle 2026 werde dieser kaum relevant. Die EEG-Novelle müsse bereits in fünf Monaten stehen, damit das Gesetz rechtzeitig in Kraft treten könne. Windbranche und Erneuerbare müsste in der politischen Debatte klar und einheitlich agieren, damit die EEG-Novelle 2026 erfolgreich die großen Weichen für die Zukunft stellen könne.
Windenergie-Zubau in Süddeutschland nimmt Fahrt auf
Die Anzahl an Genehmigungen und der Zubau von Windenergie an Land seien voll auf Kurs. Sogar in Baden-Württemberg und Bayern sei die Zahl der Anträge stark angestiegen und die Genehmigungsdauern erfreulicherweise gesunken. Die Bundesgesetzgebung habe ihre Wirkung entfaltet. Die Energiewende erweise sich als Jobmotor auch in Zeiten der Wirtschaftskrise.
Personalbedarf in den Erneuerbaren wird steigen
Jobs in den Bereichen Energieinfrastruktur und erneuerbare Energien hätten laut der Studie der Bertelsmann Stiftung von März 2025 zugenommen. Das Bild sei zwar nicht einheitlich. Zuletzt stark gewachsene Firmen der Branche, v.a. die großen Projektierer, stellt das starke Wachstum vor die Herausforderung, neue Prozesse sowie Führungs- und Organisationsstrukturen aufzubauen. Und in den kommenden Jahren werden die vielen genehmigten Projekte in die Umsetzung kommen, sodass sich dann auch in den Bereichen der Umsetzung – Bau, Logistik, Netzanschluss – der Personalbedarf zeigen werde.
Von der Braunkohleregion Lausitz zur „GigawattFactory“ der Erneuerbaren
Dominique Guillou, CEO der LEAG Renewables, skizzierte, wie die Energiewende regional gelingen kann. Die Transformation der Braunkohleregion in der Lausitz zeige, wie die Energiewende bezogen auf eine Region umgesetzt werden könne, berichtete er. In der „GigawattFactory“ entstehen Photovoltaik- und Windenergieanlagen, Batterie-Großspeicher, Netzinfrastruktur sowie Wärmeversorgung für Kommunen. Und das alles im Verbund, intelligent gesteuert als innovativer Kraftwerkspark, um Strom verlässlich verfügbar zu machen. Der Umbau solle sich zum entscheidenden Standortfaktor entwickeln und damit neue Industrieansiedlungen – und neue Jobs – ermöglichen. Von den Beschäftigten der LEAG Renewables seien etwa 50 % aus den Braunkohle-Sektoren übernommen worden und arbeiten heute v.a. im Asset Management, den administrativen Bereichen und dem regionalen Stakeholder Management. Wichtige Voraussetzungen waren eine Vereinbarung mit der betrieblichen Mitbestimmung, eine berufliche Perspektive und Umschulungsmaßnahmen.
Zuspruch für den Bau neuer EE-Anlagen auf Rückbauflächen
Herausfordernd sei es, die an feste Strukturen gewöhnten Beschäftigten für die agile Branche der Erneuerbaren zu motivieren. Die Projekte der LEAG liegen vornehmlich auf den betriebseigenen Flächen, viele davon Rückbauflächen aus dem Braunkohlebergbau, und sie würden aufgrund des großen Abstandes zur Wohnbebauung nicht als störend wahrgenommen. Entsprechend gäbe es in der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz für den Bau der neuen Anlagen. Die Transformation der Braunkohleregion in eine Region der Erneuerbaren habe einen guten Start genommen. Es brauche aber auch hier genau das, was die Branche insgesamt benötige: stabile politische Ziele, einen verlässlichen Rahmen für die Investitionen sowie eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Bund, Land und Kommunen.
Jobprofile und Projektierer-Recruiting wandeln sich
Alterric-Recruiterin Stefanie Müller skizzierte in ihrem Beitrag zunächst die branchenweite Entwicklung der Jobprofile in der Projektentwicklung. Während Projektentwickler*innen Windparks früher weitgehend eigenständig realisieren konnten und nur wenige Schnittstellen zu koordinieren waren, hat die zunehmende Komplexität der Projekte zu einer deutlichen Ausdifferenzierung geführt: Zunächst entstanden spezialisierte Rollen wie Flächenakquisiteur*innen, später folgten weitere Spezialisierungen für Genehmigung, Bau und Inbetriebnahme. Heute setzen viele Unternehmen auf klar getrennte Verantwortlichkeiten entlang des gesamten Projektverlaufs, um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden.
Individuelle Qualifizierung als Lösung für spezifische Kompetenzanforderungen
Diese Veränderungen wirken sich auch auf das Recruiting aus: Für die spezialisierten Profile existieren kaum passgenaue Studiengänge oder klare Ausbildungspfade. Unternehmen suchen daher zunehmend nach Kandidat*innen mit hohem Entwicklungspotenzial, die sie intern qualifizieren können. Einstiegswege werden diverser, und Nachwuchskräfte benötigen – je nach Rolle – mehrere Jahre, um vollständig in die komplexen Aufgaben hineinzuwachsen. Am Beispiel von Alterric zeigt Stefanie Müller, dass sich diese allgemeinen Branchentrends ebenfalls bemerkbar machen, die organisatorische Umsetzung jedoch unterschiedlich ausgestaltet sein kann. Auch hier gilt: Die spezifischen Kompetenzanforderungen jeder Rolle machen es herausfordernd, passende Kandidatinnen direkt am Markt zu finden. Deshalb setzt Alterric im Recruiting ebenfalls stark auf Potenzial, Quereinstieg und interne Qualifizierung.
Austausch im Arbeitskreis soll branchenweit Personalgewinnung fördern
Im neu gegründeten BWE-Arbeitskreis Personal und Recruiting, dessen Co-Sprecherin Stefanie Müller ist, tauschen sich Unternehmen der Branche nun zu gemeinsamen Maßnahmen aus, um die Attraktivität der Berufsprofile zu stärken, Qualifikationswege sichtbar zu machen und branchenweite Lösungen für die Personalgewinnung voranzubringen. Denn nur durch gemeinsame Initiativen vieler Unternehmen wird es möglich sein, mehr Nachwuchs und Quereinsteigende für die Windenergie zu begeistern.
Seit 20 Jahren: das Windstudium qualifiziert für Windbranche und bildet ein starkes Netzwerk
Das Windstudium ist die berufsbegleitende Weiterbildung Windenergietechnik und -management für Beschäftigte der Windenergiebranche und Quereinsteigende, die an der Universität Oldenburg vom C3L, dem Center für lebenslanges Lernen in Kooperation mit ForWind, dem Zentrum für Windenergieforschung, angeboten wird. Rund um das Windstudium ist ein aktives Netzwerk von mehr als 400 Expert*innen, Alumni und Lehrenden sowie Unternehmen entstanden. Und in diesem Jahr feiert(e) das Windstudium sein 20-jähriges Bestehen mit einer ganzen Reihe an Veranstaltungen in Oldenburg, Husum und Potsdam. Im Forum hat Moses Kärn das Windstudium und weitere Angebote des C3L, wie die Weiterbildung zur Genehmigungspraxis für die Energiewende, vorgestellt. Informationen zum Windstudium gibt es unter www.windstudium.de, und zu den Angeboten im Bereich Erneuerbare beim C3L unter https://uol.de/c3l/weiterbildung/erneuerbare-energien-nachhaltigkeit
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