Wie lassen sich Windkraftanlagen langfristig leistungsfähig und sicher betreiben? Diese Frage stand im Zentrum der Konferenz (Mai 2025), bei der sich Fachleute aus der Windbranche in Hamburg zum intensiven Austausch trafen. Aus verschiedenen Perspektiven teilten die Expert*innen Ihr Know-how: von bedarfsgesteuerter Nachtkennzeichnung, Cybersicherheit und KI-basiertem Monitoring bis hin zu Hybridturm-Technologien.

 

Schwachstellen erkennen, Betriebssicherheit erhöhen

Lang ist sie nach wie vor – die Liste der Schäden an Türmen und Tragstrukturen, besonders bei Hybridtürmen. Entsprechend lag ein Schwerpunkt der Konferenz auf den aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen in diesem Bereich.

Die Entwicklung der letzten Jahre, Hybridtürme mit immer größeren Nabenhöhen zu bauen, führt dazu, dass die Türme bislang wenig erforschten Belastungen ausgesetzt sind. Thorsten Betz, Head of Engineering bei der Max Bögl Wind AG, stellte typische Schadensbilder vor und präsentierte Erkenntnisse aus umfangreichen Testständen.

Besonders kritisch zeigten sich die sogenannten Adapter. Diese Bauteile genügten zwar den normativen Anforderungen und bewährten sich im Testbetrieb, offenbarten unter realen Bedingungen jedoch Schwächen. In der Folge haben Expert*innen von Max Bögl gezielte Sofortmaßnahmen, wie eine Stahlbebänderung am Adapter, umgesetzt. So ließ sich verhindern, dass Beton vom Turm abplatzt bzw. herunterfällt und dass Wasser im Rissbereich eintritt. Um das dauerhafte Instandsetzungskonzept abzuschließen, entfernte das Fachpersonal die temporären Maßnahmen, trug die Betondeckung bis zum Tangentialriss ab und installierte eine zusätzliche Bewehrung (Stahlmatten). Die Fertigstellung erfolgte durch einen selbstverdichtenden Verguss der Schalung und ihr Vorspannen nach einem Tag.

Als zusätzlich herausfordernd im Betrieb erwiesen sich Wandleiter-Systeme. Um die unterschiedlichen Schadensbilder zu beheben, wurden die Anlagen der betroffenen Turmtypen zunächst mit einer Sofortmaßnahme ausgerüstet, sodass sie nun bis zu den Sanierungsarbeiten weiterbetrieben werden können. Zur Instandsetzung sind mehrere Abstrebungsebenen vorgesehen, damit die Lasten besser verteilt werden können.

Trotz der aufgezeigten Herausforderungen bestand in der abschließenden Podiumsdiskussion Einigkeit: Hybridtürme bleiben eine tragende Säule der Windenergie-Zukunft.

Digitalisierung, Verantwortung und der Blick in die Zukunft

Als Schwerpunktthemen in der täglichen Betriebsführungspraxis identifizierten die Konferenzteilnehmenden: die Verantwortlichkeiten in der Instandhaltung, die Unterschiede zwischen Vollwartungs- und Serviceverträgen, Meldepflichten sowie die digitalen Tools wie Drohneninspektionen, die im Rahmen wiederkehrender Prüfungen zum Einsatz kommen. Cybersicherheit, die bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung sowie KI-gestütztes Monitoring waren für die Beteiligten ebenfalls von aktueller Bedeutung.

Einen „Blick über den Tellerrand“ wagten die Expert*innen bei Diskussionen rund um Speicherlösungen von Windstrom: Ein besonderes Augenmerk galt der Frage, wie sich Energieflüsse zwischen Erzeugung und Speicherung künftig noch effizienter gestalten lassen.

 


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