Im ersten Halbjahr 2020 wurden in Nord- und Ostsee nur 32 neue Wind energieanlagen mit einer Leistung - von insgesamt 219 Megawatt (MW) an das deutsche Netz angeschlossen. Die Gesamtleistung der nun 1.501 Anlagen stieg damit laut Deutsche Windguard zum 30. Juni auf 7.760 MW. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2019 gingen 160 Anlagen mit einer Leistung von 1.111 MW ans Netz. 2018 waren es 136 Turbinen mit 969 MW.
Allerdings sind nur 15 der 32 neuen Anlagen (101 MW) laut WindGuard-Analyse im laufenden Jahr errichtet worden, die übrigen bereits im Vorjahr. Zudem wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 keine neuen Fundamente für künftige Anlagen installiert. Mit den neu gebauten Anlagen wurde bereits im ersten Halbjahr das Ausbauziel der Bundesregierung erfüllt. „Nicht zuletzt aufgrund der langen Vorlaufzeit von Offshore-Windparks haben wir lange davor gewarnt, dass uns eine Ausbaulücke bevorsteht. Nun stecken wir mittendrin. Die Herausforderung besteht jetzt darin, diese Ausbaulücke so klein wie möglich zu halten und den Heimatmarkt für Offshore-Windenergie wieder nachhaltig und dauerhaft zu stärken“, kommentierten die Branchenorganisationen Bundesverband WindEnergie (BWE), Bundesverband der Windparkbetreiber Offshore (BWO) sowie der Maschinenbauverband VDMA Power Systems, das Branchennetzwerk WAB und die Stiftung Offshore-Windenergie. Neben der schnellstmöglichen Ausschreibung der verfügbaren Flächen forderten sie ein volkswirtschaftlich effizientes Vergütungssystem für künftige Offshore-Projekte.

Branchenvertreter: für Akteursvielfalt, gegen spekulatives Bieten

Das von der Bundesregierung geplante Design der Ausschreibungen für den Bau neuer Windparks sorgt für Kritik. Da es in der Vergangenheit zu Geboten von 0 Cents kam, mit denen eine Kilowattstunde Strom vergütet wird, soll es nun eine sogenannte zweite Gebotskomponente geben. Die Bundesnetzagentur ermittelt dabei unter den 0-Cents-Bietern deren Zahlungsbereitschaft für einen Offshore-Netzanbindungsbeitrag. Dieser soll an den Übertragungsnetzbetreiber gezahlt werden, der für die Anbindung zuständig ist. Die Regierung verspricht sich von dem Verfahren sinkende Stromkosten und eine stärkere Marktintegration der OffshoreWindenergie. Branchenverbände und die fünf norddeutschen Bundesländer fürchten jedoch, dass dadurch die Stromgestehungskosten steigen werden und die Akteursvielfalt gefährdet wird. Das Verfahren sorge „weiter für spekulatives Bieten, auf das sich nur große Akteure einlassen können“, erklärte der Verband der kommunalen Unternehmen. Die Gegner des Modells befürworten stattdessen ein Differenzmodell. Bei diesem wird ein Mindest-Strompreis garantiert. Wenn ein bestimmter Preis überschritten wird, werden die darüber liegenden Erlöse auf das EEG-Konto zurückgezahlt.

Trotz dieser Unklarheiten kann die Branche positiv in die Zukunft blicken. Das Bundeskabinett hat Anfang Juni eine Änderung des Windenergie-auf-See-Gesetzes beschlossen. Darin ist vorgesehen, dass die Ausbauziele der Offshore-Windenergie bis 2030 auf 20 Gigawatt (GW) erhöht werden, bislang lag das Ziel bei 15 GW. Bis 2040 sollen 40 GW installiert werden. Die Offshore-Akteure hatten eine Anhebung der Ziele lange gefordert. „Besonders vor dem Hintergrund des geringen Zubaus begrüßen wir, dass durch die Verankerung der 20 GW Offshore-Windenergie bis 2030 und 40 GW bis 2040 nun langfristige Planungssicherheit geschaffen wird. Mit den erhöhten Ausbauzielen stärkt die Offshore-Windenergie den Klimaschutz und schafft wirtschaftliche Entwicklung“, verlautbarten die Branchenvertreter. Für zusätzlichen Schub könnte die Nationale Wasserstoffstrategie (NWS) der Regierung sorgen. Sie macht deutlich höhere Mengen an grünem Strom nötig. „Mit der NWS eröffnet sich die Chance, etwa 3 GW Offshore-Windenergie zur Produktion von grünem Wasserstoff zu nutzen. Hierfür müssen möglichst zügig zusätzliche Flächen voruntersucht und ausgeschrieben werden“, forderten die Organisationen. Für einen schnellen Markthochlauf von grünem Wasserstoff müsse zudem „ein Anreizsystem mit effizienten Abgabe- und Umlagemechanismen entwickelt werden“.

International war 2019 mit mehr als 6 GW Neuinstallationen das beste Jahr aller Zeiten für die Offshore-Windindustrie, wie der Dachverband Global Wind Energy Council (GWEC) in seinem Global Wind Report ermittelte. Spitzenreiter waren China (2.395 MW) und das Vereinigte Königreich (1.764 MW). Deutschland folgte auf Platz drei.


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