In Deutschland projektieren Sie aktuell mehr als 100 Windparks. Was sind die Schlüsselfaktoren für Ihren Erfolg?

Johannes Overbeck: Für uns sind das im Wesentlichen zwei Punkte. Zum einen haben wir eine Art Hybridstruktur: Wir bringen die Kapitalstärke eigener Fonds mit, mit dem Vorteil einer großen Finanzkraft, die wir in unsere Projekte investieren. Gleichzeitig agieren wir als ganzheitlicher Projektentwickler mit einem eingespielten Expertenteam, das sämtliche Kompetenzen entlang der gesamten Wertschöpfungskette vereint – von der Akquise über Entwicklung, Genehmigung, Bau und Betrieb bis hin zum Energy Management und Repowering. Diese Kombination aus finanziellen und internen Ressourcen ist für uns und für die Anzahl unserer Projekte auf dem Markt von entscheidender Bedeutung.

Der zweite Punkt ist unsere starke regionale Aufstellung. Wir haben zwar unseren deutschen Hauptsitz in Berlin, arbeiten aber nicht nur von dort aus. Mit sechs Büros in ganz Deutschland versuchen wir, tief in die jeweiligen Gemeinden und Projektstandorte einzutauchen und die Menschen vor Ort aktiv einzubeziehen. Denn wir sind fest davon überzeugt, dass die Energiewende nur mit der Akzeptanz vor Ort erfolgreich sein kann.

Merken Sie denn, dass sich die Akzeptanz der Menschen vor Ort zum Positiven verändert?

Ja, schon. Das merken wir bei Repowering-Projekten. Wo die Menschen schon positive Erfahrungen mit Windenergie haben, sind sie tendenziell aufgeschlossener für neue Parks. Aber wir glauben, dass wir mit authentischer Arbeit vor Ort alle Menschen mitnehmen können.

Abgesehen von der Akzeptanz: Wo liegen aktuell aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen beim Ausbau der Windenergie?

Die bürokratischen Hürden sind nach wie vor hoch. Genehmigungsverfahren dauern viel zu lange. Wir bräuchten dringend digitale Prozesse und schnellere Entscheidungen. Das würde dem ganzen System zugutekommen und, ohne viel zu kosten, die Beschleunigung der Energiewende erheblich vorantreiben. Ein weiteres Thema ist die Flächenverfügbarkeit. Das Zwei-Prozent-Ziel ist noch nicht flächendeckend umgesetzt. Es bestehen immer noch Konflikte zwischen verschiedenen Interessen wie Landwirtschaft, dem Natur- und Artenschutz und der Windenergie. Zusätzlich gibt es, bedingt durch die gestiegene Projektanzahl, natürlich Druck auf die Lieferketten. Und nach wie vor haben wir das Problem des Fachkräftemangels. Für uns ist es daher weiterhin ein wichtiger Vorteil, ein so großes und kompetentes Team zu haben. Denn der Markt ist umkämpft, und es ist alles andere als leicht, gute Leute zu finden.

Am 16.09. startet die Husum Wind. Mit welchen Erwartungen fahren Sie zur Messe?

Die Husum Wind ist für die Branche eine der wichtigsten Veranstaltungen im Jahr. Ich finde den persönlichen Austausch mit Geschäftspartnern, politischen Entscheidungsträgern und Mitarbeitenden immer sehr wertvoll und spannend. Als Unternehmen freuen wir uns darauf, mit verschiedenen Partnern über die aktuellen Herausforderungen der Industrie zu sprechen.

Welche Top-3-Trendthemen sehen Sie dieses Jahr auf der Messe?

Ausschreibungen sind ein wichtiges Thema im aktuellen Umfeld. Dann die Lieferketten, aber auch neue Technologien im Bereich Batteriespeicher. Es bleibt sicherlich spannend, wie es da weitergeht. KI wird erwartungsgemäß eine große Rolle in allen Bereichen spielen. Die Erneuerbaren machen da keine Ausnahme. Die Möglichkeiten für den Einsatz sind schon da, nicht nur bei der Betriebsführung.

Und welche Themen bringen Sie als Qualitas Energy zur Messe mit?

Wir befinden uns weiterhin auf Wachstumskurs und investieren aus unserem aktuellen Fonds „Qualitas Energy V“, der mit einem Volumen von 2,4 Mrd. Euro als einer der größten Erneuerbare-Energien-Fonds Europas abgeschlossen wurde. Deswegen bleibt die Akquise von Projekten und Projektpipelines ein zentrales Thema. Wir sind immer aufgeschlossen für Kooperationen und neue Projektideen. Und dann natürlich der eben angesprochene Fachkräftemangel: Wir versuchen als Arbeitgeber in der Branche sichtbar zu sein und uns zu positionieren. Daher sind wir auch auf der Jobmesse mit einem eigenen Stand aktiv vertreten und freuen uns über Besuch.

Gibt es ein Veranstaltungshighlight, auf das Sie sich besonders freuen?

Absolut, unser Qualitas Energy Networking Meet-up findet am Mittwoch um 17 Uhr am Stand 5C22 statt und bietet eine informelle Gelegenheit, mit dem Team ins Gespräch zu kommen. Alle sind herzlich eingeladen!

Das Interview führte Christiane Nönnig, Redakteurin für das Fachportal windindustrie-in-deutschland.de.

 


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